Bioenergiedorf

In Mechow hat man schon früh erkannt, dass eine Nutzung regenerativer Energien sowohl der Natur als auch den Einwohnern zu Gute kommt. Unsere dörfliche Gemeindestruktur mit den heute 55 Haushalten und 130 Einwohnern war und ist Dank kurzer Kommunikationswege, einer schnellen und pragmatischen Entscheidungsfindung sowie dem Einsatz eines Jeden für die gemeinsame Sache ideal hierfür geeignet.

Biogasanlage und Wärmenetz in Mechow

Eine der ersten Biogasanlage entstand bereits 1986(!) auf dem Hof Janssen. Sie wurde mit dem Ziel errichtet, eine möglichst günstige Wärme- und Stromversorgung im Betrieb zu erreichen und dabei die beim Betrieb enstehende Hühnergülle zu verwerten. Dadurch konnte auch eine starke Geruchsminderung erreicht werden.

Da nach über 20 Jahren des Betriebs größere und nicht wirtschaftlich darstellbare Reparaturen an der Anlage anstanden, musste die Anlage 2007 zunächst wieder zurückgebaut werden. Dadurch trat dann allerdings bei den Nachbarn wieder eine Geruchsbelästigung auf, wodurch der Wunsch nach Wiederinbetriebnahme der Anlage entstand.

Im Jahr 2008 war der Zeitpunkt dann ausserordentlich günstig. Einerseits kamen an vielen Bestandsimmobilien die vorhandenen Ölheizungen in ein Alter, die einen Austausch erforderten. Zusätzlich war die Erstellung neuer Immobilien im Neubaugebiet absehbar. Dementsprechend war ein ausreichendes Nutzungspotential in der Gemeinde vorhanden. Nachdem auf dem Hof Janssen bereits die Erstellung einer Biogasanlage geplant wurde, bot sich die Nutzung der Wärme an. Mit den Absichtserklärungen, das Wärmenetz für die Gebäudeheizungen an einer Vielzahl von Bestandsimmobilien zu nutzen, wurde der Sprung ins kalte Wasser gewagt und das Vorhaben angegangen.

Gründung der Energiegenossenschaft eG

Das LWK S-H wurde mit der Erstellung der Wirtschaftlichkeitsrechnung beauftragt und im März 2009 wurde diese dann für die Anlage nachgewiesen. Zur Umsetzung wurde vom Landwirtschaftlichen Buchführungsverbands und der Raiffeisenbank Ratzeburg die Gründung einer Genossenschaft empfohlen. Die Energiegenossenschaft eG konnte dann bereits am 21.07.2009 mit 20 Gründungsmitgliedern und für 20 Hausanschlüsse ins Leben gerufen werden.

Unternehmensziele der Energiegenossenschaft eG

“Wärmeversorgung der Haushalte mit regenerativer Energie, die kostenmäßig unterhalb der Energieversorgung mit fossilen Brennstoffen liegt. Neben den Umweltgedanken können die sozialen und kulturellen Belange der Mitglieder leichter erfüllt werden.
Durch ein gemeinsames Projekt das ………. Wir ……….. Gefühl fördern und dadurch positiven Einfluss auf das dörfliche Zusammenleben nehmen.”

Realisierung

Meilensteinübersicht
21.07.2009Gründung der Energiegenossenschaft eG
2011Finanzierung (Förderung durch die KfW,
Darlehenszusage RaiBa Südstorman/Breitenfelde)
Ausschreibung der Baumaßnahmen
Bau des Wärmenetzes mit 1111 m
Fertigstellung von bis dato 18 Hausanschlüssen
2013Anschluß des Neubaugebiets mit weiteren 86 m
2014Anschluß weiterer 2 Haushalte im Neubaugebiet
Impressionen aus der Bauphase
Fazit

Schließlich wurde das Mammutprojekt mit riesigem Idealismus, Engagement und vielen Stunden Eigenleistung der Mechower Gemeinde im Jahr 2014 erfolgreich realisiert. Inzwischen sind alle der zwanzig geplanten Hausanschlüsse in Nutzung.

Ausblick

Für das Wärmenetz ist auch in der Zukunft weiteres Potential gegeben, dementsprechend wurde 2016 ein Gutachten für den Primärenergiefaktor erstellt. Sobald konkrete Planungen vorliegen, werden wir hier weiter berichten.

Zahlen und Daten

  • Herstellkosten: ca. 360.000 €
  • Netzlänge: 1.197 m
  • Hausanschlüsse: 20 für 23 Wohneinheiten sowie eine Getreidetrocknung
  • Primärenergiefaktor 0,0
  • KWK Anteil der Wärmeerzeugung über 70 %
  • Erneuerbare Wärme beträgt mindestens 1,4
  • Wärmeabnahme: 800.000 kWh/Jahr, 700.000 kWh aus BHKW-Abwärme
  • Einsparung von 70.000 Liter Heizöl
  • Durchschnittspreis Endverbraucher je kWh: 0,043 €

Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED

Im Herbst 1995 wurde die Stromversorgung der Straßenbeleuchtung in Eigenleistung mitverlegt. Bei der Auswahl der Straßenlampen wurde bereits auf eine möglichst sparsame Technik geachtet. Installiert wurde daher eine Zweikreisschaltung mit 2x 21 Watt, die eine Nachtschaltung ermöglicht. Damit verbrauchen alle 22 Straßenleuchten im Dorf nur ca. 3.500 kWh pro Jahr.

Allerdings sehen wir mit der Verfügbarkeit zuverlässiger und noch sparsamerer LED Technologie ein deutliches Einsparpotential. Bereits 2015 konnte eine erste LED Straßenleuchte nach Gewinn eines Kreiswettbewerbs beschafft werden.

Alle weiteren Leuchten sollen nun auch noch umgerüstet werden, zumal es hierfür Fördermöglichkeiten gibt. Allerdings wird Mechow die Fördermöglichkeit nur gemeinsam im Zusammenschluß mit anderen Gemeinden nutzen können. Wir werben daher auch in unseren Nachbargemeinden für ein gemeinsames Projekt und hoffen bald von der durchgeführten Umrüstung hier berichten zu können.